Portugal, ein wahres Rebsorten-Eldorado

Aus genetischer Sicht unterscheiden sich die zahlreichen Rebsorten der iberischen Halbinsel in der Regel sehr deutlich von allen anderen Rebsorten der Alten Welt, mit der bekannten Ausnahme von Südfrankreich und Sardinien, wo man verschiedene spanische Sorten wie Grenache, Carignan, Mourvèdre usw. wiederfindet; sie wurden in mehreren Wellen unter spanischer Herrschaft eingeführt. Portugal entpuppt sich für Liebhaber einheimischer Rebsorten und ihrer faszinierenden Biodiversität als eine Art Höhle Ali Babas. Lange Zeit wurde ihre Zahl überschätzt; einige vermuteten, es gebe im gesamten Land bis zu 600 verschiedene Rebsorten. Bei der Veröffentlichung unseres Referenzwerks Wine Grapes (Allen Lane, 2012) haben wir «nur» 77 Rebsorten aufgezählt, die in Portugal kommerziell kultiviert werden, gegenüber 89 in Spanien, 204 in Frankreich und – das ist der absolute Rekord – 377 in Italien. Mit welchen Sorten genau diverse alte Rebberge in Portugal bestockt sind, ist teilweise noch nicht bekannt, würde die präzise Bestimmung doch viel ampelographische Forschungsarbeit verlangen. Mit anderen Worten: die tatsächliche Anzahl der kultivierten Sorten ist ohne Zweifel höher! 

Die fünf Hauptsorten Portugals.
Die fünf Hauptsorten Portugals.

 

2013 publizierte der Ökonom Kym Anderson, spezialisiert auf Weinbaustatistiken, ein Werk namens Which winegrape vareties are grown where? (Welche Rebsorten werden wo angepflanzt?), das gratis online konsultiert werden kann. In diesem statistischen Kompendium hat er 196 Rebsorten aufgelistet, die in Portugal auf einer Gesamtfläche von 139’294 Hektaren kultiviert werden. Diese Zahl liegt deutlich über derjenigen in Wine Grapes, denn sie umfasst neben den einheimischen Rebsorten gewisse vergessene Sorten, die praktisch nicht mehr kultiviert werden, zahlreiche Synonyme sowie einige vor langer Zeit eingeführte Sorten wie die spanische Tempranillo. Letztere ist mittlerweile die am häufigsten angepflanzte Sorte in Portugal, wo sie in der Regel Aragonez oder Tinta Roriz genannt wird.

Wir kennen also die genaue Anzahl der in Portugal kultivierten Rebsorten immer noch nicht, doch ihre grosse Vielfalt trägt zum grossen Abwechslungsreichtum der Weinstile bei, die man in diesem Land findet.

Die 77 einheimischen Rebsorten Portugals, aufgeführt im Werk Wine Grapes (Allen Lane, 2012).

Agronómic, Água Santa, Alfrocheiro, Alvarelhão, Alvarinho, Amaral, Antão Vaz, Arinto de Bucelas, Avesso, Azal, Baga, Barcelo, Batoca, Bical, Borraçal, Camarate, Caracol, Carrega Branco, Casculho, Castelão, Cerceal Branco, Côdega de Larinho, Complexa, Cornifesto, Diagalves, Dona Branca, Donzelinho Branco, Donzelinho Tinto, Dorinto, Encruzado, Espadeiro, Fernão Pires, Folgasão, Fonte Cal, Galego Dourado, Generosa, Gouveio Real, Grossa, Jampal, Loureiro, Malvasia Branca de São Jorge, Malvasia de Colares, Malvasia Fina, Malvasia Preta, Marufo, Monvedro, Moreto do Alentejo, Padeiro, Pedral, Preto Martinho, Rabigato, Rabo de Ovelha, Ramisco, Rio Grande, Rufete, Seara Nova, Sercial, Sercialinho, Síria, Tamarez, Terrantez, Terrantez da Terceira, Terrantez do Pico, Tinta Barroca, Tinta Carvalha, Tinta Francisca, Tinto Cão, Touriga Fêmea, Touriga Franca, Touriga Nacional, Trajadura, Trincadeira, Trincadeira das Pratas, Verdelho, Vinhão, Viosinho, Vital.