Die Qualitätsrevolution der portugiesischen Weine

1974 ging mit der Nelkenrevolution die jahrzehntelange Diktatur zu Ende, und bereits 1986 trat Portugal der EG (der heutigen EU) bei. In der Folge entstanden im Weinbau neue Produktionsstrukturen, die die Grundlage für die markante Qualitätssteigerung der portugiesischen Weine legte. Viele der über hundert Genossenschaftskellereien, die während der Zeit der Diktatur gegründet wurden und bald eine monopolistische Stellung im Weinbau erlangt hatten, konnten mit den Qualitätsanforderungen und den Modernisierungsbestrebungen der neuen Zeit nicht Schritt halten. An ihre Stelle sind nun mehr und mehr die Quintas getreten, einzelne Weingüter, die mit den Trauben der selbst bewirtschafteten Rebparzellen gutseigene Weine erzeugen und dabei nach französischem Vorbild der Terroir-Philosophie folgen. Neben der damit einhergehenden Professionalisierung im Weinbau und dem expliziten Qualitätsstreben der Produzenten ist damit auch ein markanter Rückgang der Rebfläche verbunden. Waren Ende der 1980er Jahre 385’000 Hektaren mit Weinreben bestockt, so sind es heute nur noch 190’322 Hektaren.

Der seit den 1990er Jahren eingeschlagene Weg hat sich bewährt und zeigt vielversprechende Resultate. Bei der Qualität der landauf, landab erzeugten Weine sind wahre Quantensprünge zu verzeichnen, und zudem ist man nun mehr als je zuvor bestrebt, mit einheimischen Traubensorten gebietstypische Weine zu erzeugen, die die unterschiedlichen Bodenstrukturen, Klimacharakteristiken und Weinbautraditionen unverfälscht zum Ausdruck bringen. Es ist aus heutiger Sicht ein Glücksfall, dass sich Portugals Weinbau – bedingt durch die Randlage in Europa und die politische Abgeschiedenheit – während Jahrhunderten in relativer Isolation entwickelte.

Traditionelle farbige Häuser in Porto, am Ufer des Douro.
Traditionelle farbige Häuser in Porto, am Ufer des Douro.

Das Spektrum reicht dabei von den knackig-saftigen Weissweinen der Appellation Vinho Verde aus der im Nordwesten gelegenen Region Minho bis hin zu den vollmundigen Rotweinen aus dem Alentejo oder den mächtigen, tiefgründigen Portweinen aus dem Douro-Tal. Es ist deshalb nicht übertrieben, wenn man Portugal als rare Schatzinsel des Weinbaus bezeichnet. Einer Schatzinsel notabene, von deren Existenz man zwar weiss, die es aber noch in all ihren Tiefendimensionen zu entdecken gilt. Zwar werden in Portugal auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah oder Chardonnay angebaut. Doch meistens werden sie nur als Cuvée-Partner von einheimischen Varietäten eingesetzt, um gewissen Weinen – falls nötig – den letzten Schliff zu geben.